Lifestyle

Wir wir mit Wut im Alltag besser umgehen lernen

26. April 2022
madhavi-guemoes

Seit zwei Jahren bewältigen wir eine globale Pandemie. Auch wenn sich einiges wieder entspannt hat, hat sie uns stark geprägt. Und leider ist es ja nicht so, dass jetzt auf einmal alles wieder rosig ist. Kleine Dinge, die uns früher nicht einmal aufgefallen wären, bringen uns auf einmal schnell aus der Fassung. Selbst bei minimalen Provokationen. Die ganze Gesellschaft scheint auf Wut eingestellt zu sein. Chronischer Stress, ständiger Druck, Angst und Trauma erschöpfen unsere emotionalen Ressourcen, sodass wir viel eher wie ein wütender Waschbär durch den Alltag rennen. 

Unsere emotionalen Ausbrüche können uns verärgern, vor allem weil wir oft die Botschaft erhalten, dass Wut schädlich und irrational ist und unterdrückt werden sollte. Aber Wut ist nicht per se schlecht. Wenn wir wissen, wie wir sie kanalisieren können, kann sie uns sogar nützlich sein. 

Wenn du deine Wut auf positivere Weise kanalisieren willst, habe ich hier ein paar Tipps, wie du das in Zukunft tun kannst. 

Erkenne deinen inneren Schmerz

Oft versuchen wir, unsere Gefühle sofort zu verdrängen, um nicht verärgert zu wirken und Haltung zu bewahren. Aber wenn du durch eine unfaire Entscheidung verletzt wurdest oder dich wertlos fühlst, weil dich jemand ständig ausschließt, darfst du ohne Umschweife wütend sein. 

Aber lasse deine Gefühle nicht an einer anderen Person aus, sondern gestehe dir deine Gefühle in erster Linie erst einmal ein. Der erste Schritt ist die Erkenntnis. Auch wenn das Ereignis, das deine Wut ausgelöst hat, oberflächlich betrachtet unbedeutend erscheint, haben die Funken, die dich innerlich explodieren lassen, in der Regel einen Ursprung, aber dazu gleich mehr.  

Vermeide es, übermäßig Dampf abzulassen 

Dampf abzulassen, ist nicht so produktiv, wie du vielleicht denkst, auch wenn es lange Zeit als kathartische Aktivität dargestellt wurde. Natürlich sollen wir nicht alles in uns hineinfressen. Wenn wir jedoch ständig überall und jeden mit unserer Wut konfrontieren, in dem wir den ganzen Tag darüber reden, schimpfen und uns beklagen, ist das nicht effektiv, sondern verstärkt die Wut nur noch mehr. 

Besser ist es, dir eine zeitliche Grenze zu setzen, in der du dich bewusst mit deiner Wut auseinandersetzt. Wenn ich wütend bin, lasse ich höchstens zehn Minuten meine Wut raus und danach halte ich meine Klappe. Das hilft so viel mehr. Wie häufig haben mich sonst die Themen tagelang beschäftigt, reine Zeitverschwendung. 

Was sind die Bedürfnisse hinter den Emotionen? 

Schau hinter deine Wut. Versuche objektiver zu sein, in dem du dich auf das Bedürfnis hinter deinen Emotionen konzentrierst. Was wurde gerade wirklich getriggert? Frage dich ganz bewusst, was hat konkret deine Wut ausgelöst? Was steckt hinter deinen Emotionen? Was kannst du tun, um dich besser zu fühlen? In vielen Fällen steckt hinter einer Wut das Gefühl von Angst. Angst davor, dass du nicht gut genug bist, dass du vielleicht machtlos sein könntest, dir etwas weggenommen werden könnte oder etwas völlig aus dem Ruder läuft. 

Lerne, deine Gefühle mitzuteilen, ohne emotional in ein Drama verwickelt zu werden

Beruhige dich erst einmal wieder. Mir hilft es, immer ein bisschen Zeit vergehen zu lassen, bis ich etwas Entscheidendes unternehme, wenn ich überhaupt etwas unternehmen möchte. Wütend sind wir kaum in der Lage wirklich strategisch zu denken. Eine Handlung, die aus einer Wut entspringt, ist häufig keine kluge. Warte.

Manchmal hilft es mir auch, eine Nacht über eine Situation zu schlafen. Wenn die Wut durch eine Person ausgelöst wurde, ist es sicherlich klug, ihr davon zu erzählen, um die Situation zu klären. Sehr ratsam, wenn der Konflikt im nahen Umkreis geschieht, wie auf der Arbeit, im Freundeskreis, oder in der Partnerschaft.

Bereite dich auf das Gespräch vor und bleibe bei deinen Gefühlen. Du kannst zum Beispiel sagen: „Wenn du das und das machst, dann löst es das und das bei mir aus“. Es ist immer gut, keine Du-Botschaften in Konflikten zu nutzen, sondern immer schön bei deinen Gefühlen zu bleiben und die mitzuteilen. 

Wenn ich aufgebracht oder wütend bin, nutze ich es ganz häufig, um mich selbst zu motivieren. Das hat aber Jahre gebraucht, bis ich verstanden habe, dass ich meine Gefühle hervorragend nutzen kann, um etwas Kreatives zu erschaffen. 

Du kannst dich auch fragen, was du in deiner Situation einer Freund*in raten würdest und nach deinen ganz eigenen Ratschlägen handeln. 

Wut bedeutet nicht, dass wir die Kontrolle über unser Leben verloren haben. Wir erkennen durch Wut, dass etwas nicht in Ordnung ist und uns etwas aufwühlt. Und wenn wir Wut klug nutzen, kann sie uns unbändige Kraft schenken, die Dinge in unserem Leben wieder ins Lot zu bringen.

x Madhavi 

 

Foto Maria Schiffer

Madhavi Guemoes
Madhavi Guemoes dachte mit 15, dass sie das Leben vollständig verstanden habe, um 30 Jahre später zu erkennen, dass dies schier unmöglich ist. Sie arbeitet als freie Autorin, Aromatherapeutin, Podcasterin, Bloggerin und Kundalini Yogalehrerin weltweit und ist Mutter von zwei Kindern. Madhavi praktiziert seit mehr als 30 Jahren Yoga - was aber in Wirklichkeit nichts zu bedeuten hat.
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