Seelenfutter

Spiritual Kids // Nehmt den Kindern die Last von den Schultern

16. Mai 2020
kinder-corona-überlastung

Ich sitze gerade in der Bahn nach Hamburg, was ein bisschen gruselig ist, denn ich bin die einzige Person im Abteil. Heute ist mir wirklich zum Heulen zumute. Ich bin tatsächlich unheimlich traurig.

Ich kann ziemlich viel aushalten. Ich habe ein starkes Nervensystem. Ich kann mich auch wunderbar anpassen. Mich könnte man auf zwei Quadratmeter einsperren und ich würde immer noch einen Weg finden, mein Leben zu genießen. Warum ich dann traurig bin?

Es geht um meine Kinder. Um Kinder allgemein. Sie halten gerade so viel aus. Und dann kommt vielleicht der Moment, wo die eigentlich fröhlichen Persönlichkeiten plötzlich zusammenbrechen. Meine Kinder sind Teenager. 12 und 14 Jahre alt. Wir sind ein gutes Team. Letzte Woche knickte meine Tochter plötzlich ein.

Sie ist ein unheimlich starker Mensch, die sich generell nicht viel anmerken lässt, dennoch gut über ihre Gefühle sprechen kann. Es war Mathe. Sie ist eine der besten SchülerInnen in der Klasse und plötzlich verstand sie nicht, was von ihr gefordert wurde. Mein Mann und ich saßen auch mit einem leichten Fragezeichen im Gesicht da. Plötzlich flossen Tränen. Sehr viele Tränen.

Meine Kinder gehen auf eine wunderbare Schule mit fantastischen LehrerInnen. Sie haben von Anfang an gesagt, dass jeder im eigenen Tempo arbeiten soll, wir keinen Druck oder angespannte Motivation reinbringen sollen. Die letzten Wochen war auch alles in Ordnung. Anstrengend, aber machbar.

Es ist halt nicht mehr die 1. oder 2. Klasse, sondern da geht es schon um Dinge, die ich vielleicht gar nicht mehr entsinne und nicht helfen kann. Klar, sie machen Zoom Meetings, aber das ist nicht das gleiche wie normaler Unterricht.

Kinder brauchen jetzt viel mehr Streicheleinheiten

Mein Sohn ist schon immer digital unterwegs gewesen. Deshalb kann er damit ganz gut umgehen, da er seine Freunde oft vorher schon online getroffen hat. Trotzdem ist er traurig, dass er seine Kumpels nicht umarmen darf. Einer seiner Freunde hat einen Herzfehler, der geht seit Monaten nicht mehr zur Schule.

Wir müssen so sehr aufpassen, dass unsere Kinder nicht in eine Depression fallen. Wenn ich bedenke, was ich in dem Alter gemacht habe. Ich bin auf Bäumen rumgeturnt und war bis 22 Uhr mit meinen Freunden draußen. Ich denke darüber nach, wie die Zukunft für sie aussehen wird.

Die Leichtigkeit, die ich in meiner Kindheit hatte, ist gerade nicht gegeben und wird sicherlich so schnell auch nicht wiederkommen. Für einen Moment habe ich mich auch gefragt, ob es eine gute Entscheidung war, Kinder in diese wirklich verrückte Welt zu setzen.

Nach dem Moment des Einknickens habe ich meine Tochter ganz lange in den Arm genommen und ihr erzählt, wie wichtig es ist, darüber zu reden, den Gefühlen Raum zu geben und ihr auch bestätigt, dass es gerade eine schwere Zeit ist, dass sie ein großes Recht darauf hat, traurig oder wütend zu sein.

Ich habe ihr gesagt, dass sie heute einfach Pause machen soll, sich mit einem Buch ins Bett legen kann und ich ihr nachher eine Massage gebe. Sie war sehr erleichtert und auf einmal doch motiviert, mit meinem Mann Mathe zu machen. Es ist so wichtig, gerade den Druck sehr rauszunehmen.

Ich weiß, wir haben alle sehr viel zu tun. Diejenigen, die Kinder haben, Homeoffice, Homeschooling und Haushalt wuppen, sollten sich erlauben, einfach mal nicht alles perfekt zu machen.

Bei uns zu Hause sieht es teilweise aus, als wäre eine Bombe explodiert, dass mein Mann und ich laut lachen müssen und uns fragen, wie es soweit kommen konnte.

Dann nehmen wir uns in den Arm und geben uns der Situation einfach hin. Im normalen Alltag würden wir dabei schlechte Laune bekommen.

Wie ihr eure Kinder unterstützen könnt

Hört ihnen zu! Nehmt euch Zeit für sie! Gebt ihnen Halt. Sehr wichtig sind Umarmungen und Massagen und wenn es nur eine Fußmassage ist. Ich nutze dabei ätherische Öle, die sie dabei unterstützen, besser loszulassen und zu sich zu kommen. Es geht ihnen vielleicht nicht so gut, wie sie vorgeben. Checkt das immer wieder.

Schimpft nicht mit ihnen, wenn sie ihre Aufgaben nicht verstehen oder richtig erledigen. Für uns ist das alles schon sehr viel, was meint ihr, wie es unseren Kindern geht?

Die Last der Welt hängt gerade energetisch auf ihren Schultern, da müssen wir besonders liebevoll, achtsam, stark, mitfühlend und präsent sein. Schaut, dass ihr in ihrem Beisein keine Angst schürt, oder eure Sorgen kundtut. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass das, was Eltern Sorgen macht, 10-fach bei Kindern landet.

Ich rede mit meiner Tochter auch darüber, dass es ein inneres Kind gibt, mit dem sie reden darf. Sie kann ihr alles erzählen und ihr erklären, dass sie so sein darf wie sie ist und Gefühle eine Berechtigung haben.

Und zu guter Letzt: Seid milde mit euch selbst. Nehmt euch Zeit für Selfcare, zum Durchatmen und wenn es nur 10 Minuten in der Badewanne sind.

xxx Madhavi

Madhavi Guemoes
Madhavi Guemoes dachte mit 15, dass sie das Leben vollständig verstanden habe, um 28 Jahre später zu erkennen, dass dies unmöglich ist. Sie arbeitet als freie Autorin und Vollzeit-Bloggerin in Berlin und ist Mutter von zwei Kindern. Wenn sie nicht in die Tasten haut, versucht sie auf dem Kopf zu stehen. Madhavi praktiziert seit mehr als 25 Jahren Yoga - was aber in Wirklichkeit nichts zu bedeuten hat.
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  • Katharina
    16. Mai 2020 at 14:42

    So so schön geschrieben. Ich liebe deine Texte und deine Einstellung. Bei uns ist es auch sehr locker. Dann bleibt halt mal was liegen. Wir arbeiten viel mit den Ölen aus der Kids Kollektion. Sie sind wirklich ein Traum und ich nehme sie oft selber. Meine große ist 9 und für sie ist es auch sehr schwer ihre Freunde nicht drücken zu können. Mein kleiner ist fast 3 und er spürt auch das was nicht so läuft wie immer. Wir machen das beste draus und Zelten zum Beispiel im Garten und machen viel Picknick auf der Wiese.

  • Carolin
    16. Mai 2020 at 19:59

    Liebe Madhavi, ich danke dir für diese berührenden Zeilen! Dieses “Liebe ins Feld einspeisen” und “auch mal Fünfe gerade sein lassen können” find ich auch so wichtig. Insbesondere dieser Tage. Unser Sohn hat dank dieser schrägen Zeit zum Falten (Origami) zurückgefunden. Es gibt viele schöne Begleiterscheinungen. Dir und deinen Lieben alles Gute!

  • Judith
    17. Mai 2020 at 17:27

    Ach danke, liebe Madhavi! Unbekannterweise aber mal wieder die richtigen, schönen Worte zur rechten Zeit!
    Danke!❤️

  • Delia
    17. Mai 2020 at 19:53

    Danke für diese schönen und ehrlichen Worte. Meine Tochter hat auch seit über einer Woche einen Hänger. Viel Tränen, Bauchweh etc. Plötzlich ist Mathe schwierig. War nie ein Problem. Sie ist einfach melancholisch. Mein Sohn verstärkt genervt und wütend. Für uns Eltern sehr anstrengend.
    Ich schnapp mir jetzt meine Öle, schnupper dran und verpasse allen eine Massage. Danke für den reminder. 🌸

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