Unkategorisiert

Let’s talk about // Sexuelle Belästigung im Yogastudio

28. November 2016
Sexuelle Belästigung

Gestern Abend blieben mir meine frisch zubereiteten Grünkohlchips plötzlich im Halse stecken. Ich huschte nichtsahnend durch meine Facebook-Timeline, als ich plötzlich ein Foto entdeckte, auf dem stand: “Ich mache Yoga wegen der vielen leckeren Mädchen.” Auf dem Bild war ein Glas Bier dargestellt, der Zusammenhang erschloss sich mir nicht ganz, sollte wohl irgendwie lustig sein, die ganze Aussage war für mich jedoch wenig geistreich. 

Ich erinnerte mich an ein Gespräch, das ich vor Kurzem mit einer befreundeten Yogalehrerin führte. Sie erzählte mir, dass sie etwas völlig Absurdes erlebt hätte. Sie unterrichtet diverse Yogaklassen die Woche und in einer dieser Yogastunden war ein Schüler, der ihr schon ein paar Mal unangenehm aufgefallen war. 

In jeder Yogastunde baumelte in den verschiedenen Yogapositionen sein Dödel aus seiner knappen, leicht durchsichtigen Shorts, die er völlig schmerzbefreit ohne Unterbüx  trug. Meine Freundin fragte ihren Freund eines Abends neugierig, ob ein Mann sowas überhaupt nicht merkt. “Natürlich kriegt ein Mann das mit”, erwiderte er. Meiner Freundin war das nicht geheuer und wusste nicht genau, wie sie mit der Situation umgehen sollte. Überreagieren und den Schüler bloßstellen wollte sie natürlich auf keinen Fall. 

Als die nächste Yogastunde vorbei war, meine Freundin ihre Sachen in ihre Yogatasche stopfte, stand der Kerl plötzlich mitten im Yogaraum splitterfasernackt vor ihr. Kein Mensch weit und breit. Nur meine Freundin und ihr Schüler im Adamskostüm.

Sie griff flink ihre Tasche, flitzte aus dem Raum, meldete das Geschehene sofort und kündigte die Yogastunde.

Solche und ähnliche Vorfälle bekomme ich leider in letzter Zeit öfter zu hören. Ätzend!

Hier ein paar Tipps, wie du damit umgehen kannst, wenn du als Yogalehrerin sexuell belästig wirst

♦ Gib klar zu verstehen, dass du die Yogalehrerin bist und diese Grenze gewahrt werden muss. Am besten gibst du dieser Person nur noch verbal Hilfestellung während der Yogastunde. Oder lässt es ganz bleiben.

♦ Falls das nicht hilft, bitte die Person, sich einen anderen Kurs zu suchen. Weigert sich der Schüler, kündige den Kurs, auch, wenn du das Geld brauchst. Es wird etwas Neues kommen, setze dich nicht mehr dieser unangenehmen Situation aus.

♦ Sollte es zu Übergriffigkeiten oder gar zu einer sexuellen Belästigung kommen, scheue dich nicht, jemanden davon zu erzählen. Hole dir Hilfe. Zeige die Person an. Auf jeden Fall mache es wie meine Freundin und verlasse sofort den Raum.

Es ist mir durchaus bewusst, dass männlichen Yogalehrern das auch passiert. Oder Yogaschüler(innen). Mir war wichtig, diese Situation der Yogalehrerin einmal zu schildern, denn ich glaube, dass so etwas öfter vorkommt, als uns lieb ist.

In jedem Fall ist es wichtig, sich Unterstützung zu holen. Der Yogaraum (und damit meine ich auch alles drumherum) muss ein geschützter Ort bleiben, den Yogalehrer und -schüler wahren müssen. Für “Lecker Mädchen” doch bitte einmal woanders, äh, stöbern. Danke!

#staytrue

Madhavi

Madhavi Guemoes
Madhavi Guemoes dachte mit 15, dass sie das Leben vollständig verstanden habe, um 31 Jahre später zu erkennen, dass dies schier unmöglich ist. Sie arbeitet als freie Autorin, Aromatherapeutin, Podcasterin, Bloggerin und Kundalini Yogalehrerin weltweit und ist Mutter von zwei Kindern. Madhavi praktiziert seit mehr als 30 Jahren Yoga - was aber in Wirklichkeit nichts zu bedeuten hat.
Madhavi Guemoes on EmailMadhavi Guemoes on FacebookMadhavi Guemoes on Instagram