Column

Madhavi & das Leben // Bitte einmal im Boden versinken

14. September 2021
madhavi-guemoes

Ich sterbe gerade innerlich. Ich sitze in einem Café und wollte mir mein Mediakit vom Computer auf mein Telefon per Airdrop senden. Das wollte ich bearbeiten und mir am Telefon anschauen, um es am Computer zu erneuern.

Dummerweise habe ich aber zu schnell den Knopf gedrückt und es nicht mir, sondern einem Ben, der nicht unweit neben mir zu sitzen scheint, gesendet. Ben wirkt ein bisschen zugeknöpft und so, als würde er keinen Spaß verstehen. Die Haare hat er gekonnt mit Gel in Szene gesetzt. Warum ich weiß, dass er Ben heißt?

Nun ja, wenn man etwas per Airdrop versenden möchte, dann ploppen ja meist verschiedene Namen auf. Ziemlich gute Sache, wenn man Single ist und wissen möchte, wie die Person neben einem heißt, die man vielleicht ganz interessant findet. Und da nur eine Frau und ein Mann im Raum sitzen, denke ich mal, ganz genau zu wissen, wer Ben ist.

Zuerst war nur ich zu sehen in der Airdrop Maske auf meinem iPhone, will draufdrücken und in dem Moment erscheint Ben und mein Finger ist nicht mehr zu stoppen. Wie oben schon erwähnt, möchte ich gerade versinken. Unter den Tisch, ganz tief. Ich lasse mir nichts anmerken, spüre aber den Blick.

Nicht, dass Ben denkt, dass ich ihn anmachen möchte, oh Gott, bitte nicht. Aber schön, dass er jetzt meine Zahlen kennt und vor allem, was ich alles so mache. Zum Glück bleibt er nicht lange, schnappt seine Jacke und geht. Ich halte meinen Blick schön unten und bete, dass er es vielleicht gar nicht angenommen hat. Ist das nicht so, dass man Dinge, die man von Telefon zu Telefon sendet, erst einmal akzeptieren muss, bevor man sie erhalten kann? Hoffen wir es. Ich habe ein riesiges Händchen für peinliche Situationen. Schon immer gehabt.

Ich lache zum Beispiel immer in den unmöglichsten Momenten. Ich habe das einfach nicht unter Kontrolle. In der Schule bin ich deshalb so häufig aus dem Klassenzimmer geflogen. Oder musste in der Ecke stehen, fällt mir gerade ein. Aber ich glaube, das war in der Grundschule. Ist ja schon fast 40 Jahre her, da hat man so etwas wahrscheinlich noch gemacht.

Früher hatte ich sogar eine Freundin, die mir immer ins Ohr geflüstert hat, „Madhavi, jetzt ist keine gute Zeit, in Gelächter auszubrechen.“ Genützt hat es selten was.

Eine sehr, sehr peinliche Aktion möchte ich euch noch von mir erzählen. Sie ist so unangenehm, ich hatte sie eigentlich schon ganz tief in meinem Unterbewusstsein vergraben. Vor ein paar Tagen erinnerten mich meine Kinder jedoch an diese wirklich peinliche Situation.

Meine Familie war aus der Schweiz zu Besuch. Wir fuhren alle zusammen nach Berlin-Mitte. Wir saßen fröhlich in der U-Bahn als ein kleines Mädchen, vielleicht fünf Jahre, mit einem Koffer hinter sich in die Bahn einstieg, der Vater war direkt hinter ihr.

Plötzlich stolperte sie plumpste komplett auf die Nase, der Koffer auch. Und was mache ich? Breche in schallendes Gelächter aus. Ja. Ich. Mitten in der Bahn. Vor allen Leuten.

Das arme Mädchen.

Der ganze Wagon wurde still, niemand schaute mich an, es ist Berlin. Der Mann sammelte seine Tochter auf, meine Familie wollte sich komplett einmal von mir scheiden lassen. Alle wandten sich ab, meine Kinder schämten sich zu Tode.

Ich bekam noch ein Sorry raus und musste versuchen, nicht erneut einen Lachanfall zu bekommen. Es war einfach furchtbar. Ich bin kein schlechter Mensch, ich lache nur manchmal ganz unkontrolliert in den wirklich ungünstigsten Momenten. Aber ich habe es mittlerweile schon viel besser im Griff. Mantren helfen, falls ihr auch so ein Problem habt.

So jetzt mache ich mal wieder an die Arbeit, mein Mediakit weiter zu bearbeiten. Per Airdrop werde ich in Zukunft in öffentlichen Räumen so schnell nichts mehr versenden,….außer es sitzt Brett Anderson im Raum, dann würde ich es mir vielleicht noch mal überlegen.

x Madhavi

Madhavi Guemoes
Madhavi Guemoes dachte mit 15, dass sie das Leben vollständig verstanden habe, um 30 Jahre später zu erkennen, dass dies schier unmöglich ist. Sie arbeitet als freie Autorin, Aromatherapeutin, Podcasterin, Bloggerin und Kundalini Yogalehrerin weltweit und ist Mutter von zwei Kindern. Madhavi praktiziert seit mehr als 30 Jahren Yoga - was aber in Wirklichkeit nichts zu bedeuten hat.
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  • Kristin
    14. September 2021 at 14:30

    Ich kann das so gut nachfühlen mit dem unkontrollierten lachen. Bei mir kommt noch dazu, dass ich auch lachen muss wenn ich mit meinen Kindern schimpfe und die dabei grinsen. Damit ist dann zwar die Situation entschärft, aber sie nehmen mich halt auch nicht für voll. Ist aber wahrscheinlich besser so.

    Was ich auch sehr gut nachfühlen kann ist das airdropen wenn Brett Anderson in der Nähe ist. Vielleicht sollte man vorsichtshalber immer „die perfekte Datei“ für ihn gespeichert haben?!

  • Madhavi Guemoes
    14. September 2021 at 15:34

    Haha, sehr gute Idee! Ja, mit den Kindern habe ich es auch immer noch oft. Dann nimmt einen auch niemand mehr ernst in der Familie. Haha.

  • Mone
    14. September 2021 at 18:46

    Ich hatte das schon bei 2 Beerdigungen und hatte nur Glück, dass ich mich in meine Jacke verkriechen konnte und das Schütteln meines Körpers konnte man durchaus als weinen interpretieren – mega peinlich. Von daher, ich kann das so gut nachvollziehen und musste bei deinem Artikel mehr als einmal schmunzeln.

  • Marina Van Leendert
    14. September 2021 at 19:02

    … ich schließe mich seufzend bei Brett Anderson an.
    Da muss ich wirklich schmunzeln und mein Herz geht auf. Den fand ich sooooooo toll😉

    … alles Liebe,
    Marina

  • Madhavi Guemoes
    14. September 2021 at 19:04

    Mein erstes Konzert war vor fast 30 Jahren….

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